Foto-Reisebericht: Kampfsport "Thaiboxen" im Camp in Thailand

Nach vier Jahren Kung Fu Training in Köln war Jing Wu Schüler Mattes für 10 Monate in Südostasien. In diesem Bericht lässt er uns an seinen Erlebnissen teilhaben. Inzwischen ist Mattes wieder wohlbehalten in Köln angekommen und genießt wieder sein Training in der Jing Wu Kung Fu Schule Köln.

Thaiboxen in Thailand: Kampfsport, Kampfkunst für die ganze Familie

Thaiboxen in Thailand

Während meines 10-monatigen Aufenthalts in Südostasien habe ich es mir natürlich nicht entgehen lassen, den dort heimischen Volkssport der Thais auszuprobieren. So habe ich einige Wochen damit zugebracht das Thaiboxen zu erlernen.

Zu dieser Zeit habe ich mich in einem zwischen Palmen gelegenem Camp, in dem ansonsten völlig untouristischen Ort Singburi aufgehalten, welches mir Vollverpflegung und einen Schlafplatz bot. Das Camp war eine Art Sammelstelle für Touristen, die verschiedene Angebote einer Organisation wahrnahmen. Eines dieser Angebote war es, am örtlichen Thaiboxtraining teilzunehmen.

Fotos: Jing Wu Schüler Mattes beim Pratzentraining im Thaibox Camp.

Den Campbesuchern wurde zur Ankunft ausdrücklich empfohlen, das Camp nach Anbruch der Dunkelheit nicht zu verlassen. Diese Empfehlung war gut begründet, denn Singburi fiel einer grauenhaften Hundeplage zum Opfer. Auf jedes Haus kamen ca. drei Hunde, die sich gerne auf der Straße ihren Platz verschafften und mit Vorliebe bei Dunkelheit alles jagten, was sich bewegte.

Entgegen aller Vernunft (und vor allem der eigenen Empfehlung) begann das Training um Punkt 6:00 Uhr morgens. Um 6:00 geht in Thailand auch die Sonne auf. Jedoch waren die Trainingsräumlichkeiten ungünstiger Weise mit dem Fahrrad ca. 10 Minuten vom Camp entfernt. Mit den in sich zusammenfallenden Rostgestellen des Camps brauchte ich 20 Minuten. Also machte ich mich jeden Morgen noch schlaftrunken um 5:40 Uhr auf den Weg zum Training. Ich war jeden Meter darauf bedacht, nicht die Aufmerksamkeit der Hunde zu erregen, wobei ich die ein oder andere nervenaufreibende kleine Verfolgungsjagd nicht vermeiden konnte. Um 6:00 kam ich dann, schon gut verschwitzt, dort an. Jetzt konnte das Training endlich beginnen. Zum warm werden joggten wir jeden Morgen eine halbe Stunde in zügigem Tempo der aufgehenden roten Sonne entgegen, während unser Trainer uns auf seinem Roller hinterherfuhr und voranpeitschte. Meine Trainingspartner waren die 3 (von insgesamt 4) Söhne des Trainers, deren Alterspanne von 9 bis 25 reichte. Alle hatten schon Kampferfahrung und jeder einzelne war fitter als ich es in meinem ganzen Leben je sein werde. Meistens war ich der einzige Farang (so nennen die Thais uns Westler) im Gespann. Manchmal nahmen aber auch 1 -3 Andere das Angebot wahr. Das erleichterte die morgendliche Hinfahrt auf jeden Fall deutlich, da die Hunde uns scheinbar als ernstzunehmendes Rudel wahrnahmen. Und wenn sich ein paar Streuner trotzdem stärker fühlten, dann gab es immer noch mindestens einen der langsamer fuhr als ich :P .

Thaibox Camp in Thailand
Jing Wu Schüler Mattes mit seinen Trainingspartnern im Thaibox Camp

Kampfsport Training im Camp

Das Training fand draußen statt. Unter einer Überdachung, die vor Sonne und Regen schützte war eine Hütte als kleiner Trainings-“raum“ eingerichtet. Dieser befand sich direkt zwischen einem Fluss und dem Haus der Trainersfamilie und umfasste einen kleinen Ring und drei Sandsäcke.

Bei meinen ersten Trainingseinheiten verbrachte ich viel Zeit damit Technikbahnen zu laufen, in denen ich die Kampfhaltung, sowie die grundlegenden Schläge und Tritte erlernen sollte. Obwohl mein Trainer nur „One“, „Two“, „Three“, „Good!“, und „No!“ sagen konnte, konnte er mir durchs Vormachen und Korrigieren gut vermitteln was er sehen wollte.Das ich zuvor fast 4 Jahre Kung fu trainiert hatte, war mir beim Erlernen der neuen Haltungen eher ein Nachteil als ein Vorteil.


Die Stellungen waren einfach zu anders und damit zu ungewohnt. Sie fühlten sich regelrecht falsch an. Links vorne zu stehen ist Standard. In der Ausgangsstellung ist das vordere Bein durchgestreckt. Der hintere Fuß steht nur auf den Fußballen. Die Fäuste werden zur Deckung immer an den Schläfen gehalten. Die schwerste Umgewöhnung war jedoch der Thaibox Halbkreistritt – der Schienenbeintritt. Entgegen dem - unter Sifus argwöhnischen Augen - jahrelang antrainierten Mechanismus, die Deckung auch beim Tritt oben zu behalten, ist der Thaiboxer darauf bedacht, den Arm auf der Seite des tretenden Fußes fallen zu lassen. Mit dem zusätzlich gewonnenen Schwung möchte er seine eigene Kraft maximieren um seinem Gegner das höchstmögliche Maß an Schmerzen zuzufügen. Der Thaiboxer ist ein Berserker, der keine Rücksicht auf Verluste nimmt. Diese Technik wiedersprach so sehr allem was ich zuvor gelernt hatte, dass ich sie mir förmlich einprügeln musste. Beim Kung fu - zurück in Deutschland - war es, wie zu erwarten, bei meinen ersten Trainingseinheiten entsprechend schwer, die Deckung beim Tritt wieder oben zu behalten.

Nachdem ich die Standardtechniken verinnerlicht hatte wandelte sich das Training. Nun stand neben einigen Krafttechniken das Pratzenprügeln im Vordergrund, welches mir in seiner täglichen Intensität einen dick geschwollenen rechten Fuß einbrachte, der bei jeder Berührung und Belastung schmerzte. Eine kleine Recherche im Internet bestätigte mir jedoch, dass das beim Thaiboxen normal ist und zur Abhärtungsprozedur gehört.

Nach der zweistündigen morgendlichen Trainingseinheit, kam ich pünktlich um viertel nach 8:00 zum Frühstück im Camp an. Während alle anderen nach dem Frühstück mit ihren Programmen begannen, machte ich mich unter die kalte Dusche und hielt im Anschluss für gewöhnlich ein Mittagschläfchen in der Hängematte. Um 17:00 war ich dann bereit, die nächste Trainingseinheit zu absolvieren. Diese unterschied sich nicht besonders von der ersten, außer dass das Joggen wegfiel.

Wenn einer der Söhne des Trainers einen Kampf hatte, lud er mich ein mitzukommen. Es ist interessant zu sehen, wie Thaiboxen für die Thais das ist, was hierzulande der Fußball ist: Volks- und Familiensport. Ein Thaiboxkindertunier ähnelt in seiner Atmosphäre stark einem Kinder-/Jugendspiel im Fußball. Die ganze Familie kommt mit und jeder feuert seine kleinen im 1 gegen 1 Vollkontakt an. Ich hatte auch schon mit dem Gedanken gespielt einen eigenen Kampf zu bestreiten. Diese Idee verpuffte schlagartig als ich sah, wie ein Thaiboxer den Kampf für sich entschied, indem er seinem Gegner den Knochen aus dem Knie donnerte. Mit einer gebrochenen Nase reist es sich nicht gut. Und mit einem um 90° verdrehtem Bein erst recht nicht. In den Ring steigen konnte ich trotzdem einmal als mein Trainer mich bat, bei der, in den Rundenpausen üblichen, Muskelmassage mitzuhelfen.

Fotos von links: Jing Wu Schüler Mattes als Helfer im Ring. Thaibox Kinderturnier in Thailand.

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